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03.07.2026

Liquid Biopsy: Wie der Bluttest Krebs frühzeitig aufspüren kann

Eine Krebsdiagnose beginnt klassischerweise mit einer Gewebeprobe. Ein Arzt entnimmt mit Nadel, Zange oder Skalpell Material aus einem verdächtigen Bereich, und ein Pathologe untersucht es unter dem Mikroskop. Dieser Eingriff ist invasiv, manchmal schmerzhaft und nicht überall am Körper gleich einfach durchführbar. Genau hier setzt eine der vielversprechendsten Entwicklungen der modernen Onkologie an: die Liquid Biopsy, zu Deutsch „flüssige Biopsie“. Sie verspricht, viele Informationen einer klassischen Gewebebiopsie aus nichts weiter als einer gewöhnlichen Blutprobe zu gewinnen. Was zunächst nach Zukunftsmusik klingt, ist heute bereits Realität in Forschung und teilweise auch in der klinischen Anwendung. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie die Liquid Biopsy funktioniert, wofür sie heute eingesetzt wird und welche Rolle sie für die Krebsfrüherkennung der Zukunft spielen könnte.
Von: Doreen Schrader
Chirurg in OP-Kleidung blickt durch ein Endoskop und bedient ein medizinisches Instrument mit Handschuhen.

Was ist eine Liquid Biopsy genau?

Der Begriff Liquid Biopsy bezeichnet ein Verfahren, bei dem aus einer Blutprobe oder gelegentlich auch aus anderen Körperflüssigkeiten wie Urin Informationen über eine mögliche Krebserkrankung gewonnen werden. Die Grundlage dafür liefert ein biologisches Phänomen: Tumoren geben kontinuierlich Material in den Blutkreislauf ab. Dazu gehören sowohl ganze, abgelöste Krebszellen, sogenannte zirkulierende Tumorzellen, als auch winzige Erbgutfragmente, die zirkulierende Tumor-DNA, kurz ctDNA genannt. Diese Bruchstücke schwimmen frei im Blutplasma und können mit hochempfindlichen Labormethoden isoliert und analysiert werden. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Gewebebiopsie liegt in der Logik des Verfahrens. Eine Gewebebiopsie liefert eine punktuelle Momentaufnahme eines einzelnen, bereits bekannten verdächtigen Areals. Die Liquid Biopsy hingegen kann theoretisch Hinweise auf einen Tumor liefern, unabhängig davon, wo genau im Körper er sich befindet, weil das Tumormaterial über das gesamte Blutsystem zirkuliert. Für den Patienten bedeutet das vor allem eines: Statt eines belastenden Eingriffs genügt eine einfache Blutentnahme, die in jeder Arztpraxis innerhalb weniger Minuten durchgeführt werden kann.

Wie funktioniert der Nachweis im Detail?

Technisch betrachtet läuft eine Liquid Biopsy in mehreren Schritten ab. Zunächst wird die entnommene Blutprobe zentrifugiert, um die festen Blutbestandteile vom flüssigen Plasma zu trennen, in dem sich die zirkulierende Tumor-DNA befindet. Im nächsten Schritt wird entweder die freie DNA aus dem Plasma isoliert oder es werden mittels spezifischer Antikörper gegen tumortypische Oberflächenmarker einzelne zirkulierende Tumorzellen identifiziert. Die isolierte DNA wird anschließend mit modernen Sequenzierungsverfahren, dem sogenannten Next-Generation Sequencing, auf Millionen genetischer Muster hin untersucht. Eine spezialisierte Software vergleicht die gefundenen Muster mit bekannten Krebssignaturen. Auf diese Weise kann nicht nur festgestellt werden, ob überhaupt ein Krebssignal vorliegt, sondern in manchen Fällen auch, aus welcher Körperregion das Material stammen könnte, etwa aus Lunge, Darm, Brust oder Bauchspeicheldrüse. Diese Fähigkeit zur sogenannten Ursprungsorganzuordnung ist einer der Gründe, warum Forscher weltweit so viel Hoffnung in die Liquid Biopsy setzen. Eine wegweisende Studie, die im Fachjournal Science veröffentlicht wurde, zeigte bereits, dass eine Kombination aus zirkulierenden Tumorproteinen und ctDNA die Diagnose von acht häufigen Krebsarten in einem frühen Erkrankungsstadium grundsätzlich ermöglichen kann.

Wofür wird Liquid Biopsy heute bereits eingesetzt?

In der onkologischen Praxis ist die Liquid Biopsy längst keine reine Zukunftsvision mehr. Bei bereits diagnostizierten Krebspatienten wird sie unter anderem zur sogenannten Therapieentscheidung eingesetzt: Die genetische Analyse der ctDNA kann zeigen, welche Mutationen ein Tumor trägt, und damit helfen, eine zielgerichtete Therapie auszuwählen. Auch beim Tumor-Monitoring spielt die Methode eine wachsende Rolle. Verändert sich die Menge der ctDNA im Blutverlauf einer Behandlung, kann das ein früher Hinweis darauf sein, ob eine Therapie anschlägt oder ob sich eine Resistenz entwickelt. Ein weiteres wichtiges Anwendungsfeld ist der frühe Nachweis eines Rückfalls. Nach einer erfolgreichen Behandlung kann ein erneuter Anstieg der ctDNA im Blut, oft lange bevor bildgebende Verfahren sichtbare Veränderungen zeigen, auf eine erneute Krebsaktivität hindeuten. Studien zu Kopf-Hals-Tumoren und anderen Krebsarten zeigen hier vielversprechende Ergebnisse, auch wenn der breite klinische Einsatz noch von größeren Studienkollektiven und sinkenden Untersuchungskosten abhängt. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Biopsie liefert die Liquid Biopsy zudem Ergebnisse vergleichsweise schnell: Während bei einer klassischen Gewebeprobe mitunter mehr als ein Monat bis zum Ergebnis vergehen kann, liegen die Resultate einer Liquid Biopsy häufig innerhalb von ein bis zwei Wochen vor.

Liquid Biopsy zur Krebsfrüherkennung: Wo steht die Forschung heute?

Die größte Hoffnung der medizinischen Forschung richtet sich auf den Einsatz der Liquid Biopsy bei gesunden, symptomlosen Menschen, also zur echten Krebsfrüherkennung, bevor überhaupt der Verdacht auf eine Erkrankung besteht. Hier liegt gleichzeitig die größte Herausforderung. Bei einem bereits diagnostizierten Tumor ist ausreichend ctDNA im Blut vorhanden, um sie zuverlässig nachzuweisen. Bei einem sehr kleinen, frühen Tumor hingegen ist die Menge an zirkulierender Tumor-DNA oft so gering, dass selbst hochempfindliche Verfahren an ihre Grenzen stoßen. Forschende arbeiten deshalb intensiv daran, die Nachweisempfindlichkeit weiter zu steigern, etwa durch die zusätzliche Analyse zirkulierender Tumorzellen, die in manchen Studien eine höhere Sensitivität bei der Entdeckung früher Krebsstadien gezeigt haben als rein ctDNA-basierte Verfahren. Wichtig ist dabei eine ehrliche Einordnung: Die Liquid Biopsy zur Früherkennung bei gesunden Personen befindet sich überwiegend noch in der Forschungs- und Erprobungsphase. Mehrere große Studien, teilweise mit zehntausenden Teilnehmern, laufen derzeit weltweit, um die Methode für den breiten Einsatz zu validieren. Bis ein solcher Test als Standardverfahren in der Krebsfrüherkennung etabliert ist, dürfte es noch einige Jahre dauern. Das bedeutet jedoch nicht, dass bereits heute keine Bluttest-gestützte Krebsfrüherkennung verfügbar ist.

Bluttests zur Krebsfrüherkennung, die heute schon verfügbar sind

Während die klassische Liquid Biopsy im engeren Sinne, also die DNA-basierte Analyse, größtenteils noch Forschungsgegenstand ist, gibt es bereits heute alternative Bluttest-Verfahren, die für die Früherkennung im klinischen Alltag eingesetzt werden können. Ein Beispiel dafür ist der PanTum Detect Bluttest. Anstatt nach Tumor-DNA zu suchen, weist dieser Test zwei spezifische Enzyme im Blut nach, DNaseX und TKTL1, die von vielen unterschiedlichen Tumorarten bereits in einem frühen, symptomlosen Stadium vermehrt produziert werden. Dieser tumorunabhängige Ansatz unterscheidet sich methodisch von der klassischen ctDNA-Analyse, verfolgt aber dasselbe Ziel: einen frühen Hinweis auf Krebs zu liefern, lange bevor Beschwerden auftreten. In einer klinischen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf mit mehr als 5.000 symptomlosen Probanden zeigte PanTum Detect eine Sensitivität von 97,5 Prozent bei der Tumorerkennung und eine Spezifität von 99,5 Prozent beim korrekten Ausschluss gesunder Personen. Anders als bei der Liquid Biopsy im engeren Sinne erfolgt bei einem auffälligen PanTum-Detect-Ergebnis im nächsten Schritt eine gezielte Abklärung mittels moderner Bildgebung, etwa PET/CT oder MRT, um den Befund einzuordnen und den Tumor gegebenenfalls zu lokalisieren. Im Rahmen des Krebs-Scan Programms der HanseMerkur ist dieser jährliche Bluttest fest in ein umfassendes Vorsorgekonzept eingebettet, das von der Blutentnahme über die Befundauswertung bis zur ärztlichen Begleitung im Verdachtsfall reicht.

Was bedeutet das für Ihre persönliche Vorsorge?

Für Menschen, die sich heute aktiv um ihre Krebsfrüherkennung kümmern möchten, lohnt sich ein realistischer Blick auf den aktuellen Stand der Technik. Die Liquid Biopsy im engeren, forschungsnahen Sinne ist eine der spannendsten Entwicklungen der Onkologie und wird die Krebsmedizin in den kommenden Jahren voraussichtlich grundlegend verändern, insbesondere bei der Therapiesteuerung und dem Rückfallmonitoring bereits erkrankter Patienten. Für die Früherkennung bei gesunden Menschen ohne Symptome stehen mit tumorunabhängigen Bluttests wie PanTum Detect bereits heute praxistaugliche Alternativen zur Verfügung, die auf einem ähnlichen Grundprinzip beruhen: Krebs hinterlässt Spuren im Blut, lange bevor er spürbar wird. Wer diese Spuren ernst nimmt, gewinnt wertvolle Zeit, und Zeit ist bei jeder Krebserkrankung der entscheidende Faktor für die Heilungschancen.

Über den Autor:

Doreen Schrader
Expertin für Krebsfrüherkennung
Ich bin Doreen Schrader, unabhängige Versicherungsmaklerin mit Schwerpunkt auf Krankenversicherungen und innovativer Gesundheitsvorsorge. In meiner täglichen Arbeit erlebe ich, wie wichtig der Unterschied zwischen "versichert sein" und "wirklich abgesichert sein" ist.

Häufig gestellte Fragen

Was versteht man unter einer Liquid Biopsy?
Eine Liquid Biopsy, auf Deutsch flüssige Biopsie, ist ein Verfahren, bei dem aus einer Blutprobe Informationen über eine mögliche Krebserkrankung gewonnen werden. Untersucht werden dabei vor allem zirkulierende Tumor-DNA und zirkulierende Tumorzellen, die Tumoren kontinuierlich ins Blut abgeben. Anders als bei einer klassischen Gewebebiopsie ist dafür kein invasiver Eingriff notwendig, sondern lediglich eine gewöhnliche Blutentnahme.
Kann eine Liquid Biopsy Krebs in einem frühen Stadium erkennen?
Grundsätzlich ja, allerdings stößt die Methode bei sehr kleinen, frühen Tumoren noch an technische Grenzen, weil die Menge an zirkulierender Tumor-DNA im Blut zu diesem Zeitpunkt oft sehr gering ist. Die Liquid Biopsy zur Früherkennung bei gesunden Menschen befindet sich überwiegend noch in der klinischen Erforschung. Bereits heute verfügbar sind alternative Bluttests wie PanTum Detect, die nach anderen tumorspezifischen Markern suchen und bereits in einem frühen, symptomlosen Stadium eingesetzt werden können.
Worin unterscheidet sich die Liquid Biopsy von einer klassischen Gewebebiopsie?
Eine klassische Gewebebiopsie erfordert die operative Entnahme von Gewebe direkt aus einem verdächtigen Bereich und liefert eine Momentaufnahme dieses einen Areals. Eine Liquid Biopsy benötigt lediglich eine Blutprobe und kann theoretisch Hinweise auf einen Tumor unabhängig von seiner genauen Lage im Körper liefern, da Tumormaterial über das gesamte Blutsystem zirkuliert.
Wie lange dauert es, bis das Ergebnis einer Liquid Biopsy vorliegt?
Während bei einer herkömmlichen Gewebebiopsie die Auswertung mitunter mehr als einen Monat in Anspruch nehmen kann, liefert eine Liquid Biopsy in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen Ergebnisse. Bei alternativen Bluttests wie PanTum Detect liegen die Ergebnisse über ein digitales Patientenportal meist noch schneller vor, und im Verdachtsfall erfolgt innerhalb von 48 Stunden eine telemedizinische Beratung.
Wird die Liquid Biopsy bereits standardmäßig zur Krebsfrüherkennung eingesetzt?
Nein, die DNA-basierte Liquid Biopsy zur Früherkennung bei symptomlosen, gesunden Menschen befindet sich derzeit überwiegend noch in groß angelegten klinischen Studien und ist noch kein etabliertes Standardverfahren. In der Behandlung bereits diagnostizierter Krebspatienten wird sie hingegen schon heute zur Therapiesteuerung, zum Tumor-Monitoring und zum frühen Rückfallnachweis eingesetzt.
Gibt es schon heute eine Alternative zur Liquid Biopsy für die persönliche Krebsfrüherkennung?
Ja, der PanTum Detect Bluttest, der im Rahmen des Krebs-Scan Programms der HanseMerkur angeboten wird, ist bereits heute verfügbar. Er verfolgt mit dem Nachweis tumorspezifischer Enzyme einen anderen methodischen Ansatz als die klassische ctDNA-Analyse, zielt aber auf dasselbe Ergebnis ab: einen frühen Hinweis auf Krebs, bevor Symptome auftreten. Auffällige Ergebnisse werden anschließend durch moderne Bildgebung abgeklärt.

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